Rückblick: Interkulturelle Wochenenden in der Ulme 35, 1. Teil

  1. und 11. Februar 2017

An zwei Nachmittagen erarbeiteten die beiden Künstlerinnen Carolina Kecskemethy und Patricia Pisani mit einer lustigen Schar von Kindern, die überwiegend aus "der Esche", dem Flüchtlingsheim nebenan kamen, bewegliche Figuren und Kulissen für ein Schattentheater nach Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker «Wo die wilden Kerle wohnen», der eingangs in mehreren Sprachen vorgelesen wurde.

Carolina und Patricia stemmten den Doppeljob aus inspirierender künstlerischer Anleitung und Kinderbetreuung mit Bravour – wir sind sicher, die kleinen Künstler*innen kommen auch beim nächsten Mal gerne wieder, dann vielleicht in Begleitung von ein paar Eltern. Die Künstlerinnen jedenfalls werden sich Verstärkung holen, um sich voll auf die gestalterische Arbeit mit den Kindern konzentrieren zu können.

Um 18 Uhr war der Workshop zu ende, das Café füllte sich mit erwachsenen Besuchern, und man konnte sich nach Kaffee, Tee und Kuchen am Nachmittag jetzt an Quiche und Wein erfreuen. Um 19 Uhr startete die erste Ausgabe des Filmclubs: «Good Bye, Lenin!», die Mauerfallkomödie von Wolfgang Becker, arabisch untertitelt, lockte über 40 Zuschauer in den Hörsaal, von denen gut die Hälfte vom Ostberlin vor fast 30 Jahren wenig wussten. Die Einführung von Reinhard Fischer von der Landeszentrale für Politische Bildung überbrückte, übersetzt von Jihad Tello, den interkulturellen Gap, und der Film, in dem irgendwann die Frage fällt: «Wer nimmt Geflüchtete auf?», warf in der anschließenden Diskussion viele weitere Fragen auf.

Am Samstag ging der Workshop um die wilden Kerle genauso wild weiter, und am Abend endete das erste interkulturelle Wochenende mit einem orientalischen Konzert. Es musizierten der kurdische Tembur-Solist Ajo Emin, der junge Saz-Spieler und Rapper Jamil Mohamed Amin und die 6-köpfige Gruppe um den Quanon-Spieler Ali Baba und den Sänger Bilal Ibrahim. Der Hörsaal war bis auf den letzten Platz von Alt- und Neuberlinern besetzt, es wurde begeistert und berührt mitgesungen und mitgeklatscht – von denen, für die diese Musik sehr vertraut und von denen, für die sie sehr neu war.

Am 24./25. Februar geht es weiter: Der Filmclub am Freitag hat diesmal auch am späten Nachmittag für die Kinder ein Angebot und zeigt am Abend zwei syrische Dokumentarfilme über die heilende Kunst des Theaterspielens gegen die Schrecken des Krieges mit anschließendem Gespräch. Am Samstag werden die Ergebnisse des künstlerischen Workshops präsentiert und am Abend geht es im Konzert um die verbindende Wirkung von Musik: junge Streicher und Streicherinnen aus Spanien, Israel und Moldawien spielen Stücke von Bach, Schubert und Mozart. Das Café ist geöffnet, wir freuen uns auf angeregte Gespräche zwischen neuen und alten Nachbarn aus Westend und darüber hinaus.