Das Fest der Möglichkeiten – das war’ s

Programm des Festes auf deutsch und arabisch auf der Tafel im Hörsaal
Copyright aller Bilder dieses Beitrags Interkulturanstalten e.V.

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, hier ein kleiner Bericht, für diejenigen, die da waren auch - denn der Nachmittag und Abend waren so voll, dass man nicht alles erleben konnte: Fünf Stunden Programm in einem großen Haus um zu zeigen, was alles möglich wäre, wGäste im Foyerenn dieses Haus nicht mehr leer stünde, sondern von Geflüchteten und Anwohnern gemeinsam genutzt werden könnte.

Im großen Garten mit vielen Menschen Das Fest der Möglichkeiten lockte viele an und war bei strahlendem Wetter ein voller Erfolg. Ca. 800 Besucher verteilten sich über die Zeit im Garten und im Haus, etwa die Hälfte waren einheimische Westender, die andere Hälfte Geflüchtete.

Zur Orientierung hier am Anfang erst mal der Plan:

Grundriss beim Fest der Möglichkeiten
Copyright: B. Arndt

Bigband des Berggruengymnasiums

Im Garten: Zu Beginn lockten gleich die schwungvollen Töne der Bigband des Berggruen-Gymnasiums alle aus dem Haus in den Garten. Wer bis dahin noch nicht gemerkt hatte, dass es ein Fest gibt - jetzt war es nicht mehr zu überhören und auch, dass gute Laune angesagt war. Mittendrin Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, der die die Gäste begrüßte und deutlich machte, dass es auch aus Sicht des Bezirks nicht reicht, geflüchteten Menschen ein Bett zu geben, sondern dass Begegnung notwendig ist und dass der Bezirk deshalb das Vorhaben Ulme 35 unterstützt.

Eröffnungsrede des Bezirksbürgermeisters R. Naumann Berggruen-Bigband durch das Fenster des Wintergartens

Berggruen_1498_Zuschnitt Kinder in Festtagskleidern hören der Bigband zu

Es war ein buntes und dichtes Programm für einen Nachmittag.

In den ehemaligen Patientenzimmern hatte das Pestalozzi-Fröbel-Familienzentrum mit seinen Kindermöbeln und Spielsachen aus der Kastanienallee einen Spielraum gezaubert.

Pestalozzi-Fröbel - Pop-Up-Spielzimmer in der Ulme Die Begegnung

 

Singa Sprachcafé in der UlmeMit Singa-Deutschland gUG konnte man mit Sprache spielen und kennenlernen, wie ihre Sprachcafés an verschiedenen Stellen der Stadt funktionieren und was sie in ihren beruflichen Mentoring-Programmen machen.

 

 

Bei Trickmisch ging es um kleine Trickfilme mit Schattenfiguren, die man selbst am Computer herstellen konnte. Mit großer Ausdauer arbeiteten hier Kinder den ganzen Nachmittag an ihren eigenen Produktionen.

Im Raum der Prisod, des Betreibers der Flüchtlingsunterkunft nebenan, malte einem eine junge Bewohnerin ein wunderschönes Hennatatoo - allerdings nur, wenn man dann auch aufpasste und den Arm am Buffet nicht gleich am T-Shirt des Nachbarn abwischte.

Cartoonfiguren von Trickmisch Junge zeichnet am Bildschirm einen Cartoon

Und der zum Offenen Atelier gewordene Wintergarten füllte sich bald mit Kindern und Erwachsenen, die schnell mal eben oder über längere Zeit zeichneten, malten und mit aus Moosgummi geschnittenen Druckstöcken große Stoffbahnen bedruckten.

Offenes Atelier_1651 Offenes Atelier_1656

Offenes Atelier_1653  Offenes Atelier_1631  Offenes Atelier20160916_174621

Für das leibliche Wohl hatten Geflüchtete gesorgt. Nicht nur aus dem angrenzenden Heim wurden Köstlichkeiten herangeschleppt, auch im Kochkurs im Stadtteilzentrum Divan, im Koch-Workshop von MyWestend, dem Sommerprogramm für unbegleitete minderjährige Geflüchtete und sogar in Privatwohnungen war im Vorfeld gekocht worden – das Ergebnis war eine kulinarische Reise um die halbe Welt, von der bald nur noch die deutschen Salzbrezeln übrig waren.

 

Essen_1618 Essen_1619 Essen_1617 Essen_1580

Noch bevor die Mengen herbeiströmten, hatte sich im holzgetäfelten ehemaligen Billardzimmer eine Tischrunde aus arabischen und deutschen Journalisten und Journalistinnen zusammengefunden. Hier soll einmal die interkulturelle Bibliothek zuhause sein. Moderiert vom syrischen Fernseh- und Radiojournalisten Hassam Aldin, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt und den syrischen Selbsthilfe-Verein Salam e.V. gegründet hat, entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Bedingungen und Schwierigkeiten von Integration, insbesondere der von weiblichen Geflüchteten, die ganz andere Dinge brauchen, als das Klischee  annimmt. Man hörte zu und fragte nach. In einem Punkt waren sich alle schnell einig: Journalist*innen verschiedener Kulturen können einiges voneinander lernen, und dieser Austausch sollte so bald wie möglich ein regelmäßiger werden – ein internationaler Journalistenclub könnte genau an diesem Ort entstehen.

Journalist Corner in der Bibliothek

 

Den Auftakt im alten Hörsaal, in dem 148 Zuhörer Platz finden, machte der syrische Autor Khaled Hnidy, der zwei arabische Kurzgeschichten vorlas und von Jihad Tello ins Deutsche übersetzt wurde. Als Intermezzo aus der anderen Kultur spielten Martin Kögel, Eva Christina Schönweiß und Thomas Rößeler vom Deutschen Symphonieorchester Joseph Haydn – und es passte! Danach setzten die drei Folk-Musiker von Third World noch einen neuen Akzent und beglückten ihr Publikum als Zugabe auf Zuruf mit heimatlichen Klängen – Improvisation auf höchstem Niveau, die den Zuhörern die Tränen in die Augen und eine Zuhörerin zum Spontantanz trieben.

Third World2016-09-27-PHOTO-00000015 Third World 2016-09-27-PHOTO-00000012

 

Im Garten zeigten derweil fünf Jungen aus Afghanistan in selbst geschriebenen Sketchen (auf deutsch!) Unterschiede zwischen dem Leben in ihrem Heimatland und in Deutschland, die im TIK e.V. in Tempelhof im Rahmen des Talentcamps entstanden waren . Die Einheimischen fühlten sich gut beobachtet, und Geflüchtete aus anderen Ländern wundern sich offenbar auch schon lange über einige unserer Eigenheiten. Die Heiterkeit war jedenfalls groß. Dann lasen die Jungen Briefe an ihre Mütter vor – und plötzlich wurde es sehr still im Garten.

TIK 1699_ TIK_1702_

TIK_1696 TIK_1690

Spontan entschloss sich einer, noch ein Lied zu singen, dann noch einer und dann jemand aus dem Publikum – das Mikrofon ging rum, und es hätte noch lange so weitergehen können.

Stattdessen formierte sich ein großer Kreis aus Erwachsenen und Kindern, und animiert von Jenny Breitrück und Caroline Reuß wurden Spiele gespielt – bald übernahmen die Kinder das Kommando und erst, als es dunkel wurde, löste sich die Gruppe auf.

Da hatte im Hörsaal Musethica schon begonnen, Bach und Beethoven zu spielen – junge klassische Musiker aus Israel und Schweden zusammen mit Avri Levitan, der seit drei Jahren herausragenden Absolventen internationaler Musikhochschulen den kulturübergreifenden öffentlichen Auftritt ermöglicht. Das gemischte Publikum, sehr jung und ganz alt, aus dem Westend und der ganzen Welt, dankte ihnen mit tosendem Applaus.

Während all dem saßen Gruppen an den Biertischen, auf Parkbänken, auf dem Rasen oder an der Bar, gingen zu Veranstaltungen ins Haus, holten sich etwas zu essen oder einen köstlichen Kaffee. Und kamen ins Gespräch – und darum soll es ja eigentlich gehen in der ULME 35.

Musethica 20160916_1      Gast_4294      Gast_1574

Begrüssung

Gast_1548_Zuschnitt      Gast_1528_Zuschnitt

Gast_1502_Zuschnitt

Es war viel Arbeit, aber es war auch besonders schön - und jetzt schmerzt es noch mehr, dass wir nicht sofort loslegen können, sondern Dinge ihre Zeit brauchen in Berlin....

Und hier noch zu einem schönen Bericht in der Berliner Woche

Für fast alle Photos geht der Dank an Aboud Fayoumi, der super schöne Momentaufnahmen gemacht hat, das Copyright liegt beim Verein Interkulturanstalten e.V.